Mein süßer Engel,

weißt du, was komisch ist?
Was mir fast unangenehm ist?

Dass die Sehnsucht nach dir besonders dann stark ist, wenn ich dich mehr als sonst brauche.
Weil mir deine Schulter fehlt, dein mich halten fehlt, dein Es-wird-sicher-gut-werden-Satz, den ich eh nicht hören mag, aber der mir gerade irgendwie fehlt.

Es fehlt mir, die aktuell fordernden Zeiten gemeinsam mit dir durchzustehen, sie gemeinsam mit dir zu planen, Abschluss und Aufbruch und gemeinsamer Neubeginn. Zusammen mit dir.

Und das ist irgendwie nicht gut.
Weil es mich bedürftig zeigt und dich degradiert zu meinem seelischen Mistkübel.
Hart ausgedrückt: Geht’s mir gut, denke ich nicht an dich, geht’s mir eher nicht gut, fehlst du mir.

Das ist doch Mist.
Manchmal glaube ich dann, die Liebe nicht verstanden zu haben.
Manchmal glaube ich dann, ohne Partnerin besser dran zu sein.

Oder: du bist ohne mich besser dran.

Und dann höre ich immer wieder die Stimme in mir, die traurig fragt:
Warum bist du so hart zu dir, Georg? Warum darfst du nicht auch mal Sehnsucht haben, vor allem jetzt gerade? Und bist du nicht echt hart mit dir? Du hast doch auch manchmal Sehnsucht, wenn es dir voll gut geht, weil du auch das immer so gerne teilen möchtest mit deinem Engel.

Ach Engel, ich bin manchmal echt hart mit mir.
Und diese innere Stimme hat schon Recht mit dem, was sie sagt.

Es ist schon witzig:
Ich bin Mitarbeiter im KIT, ich bin für viele menschen in fiesesten Zeiten da. Aber wenn es mir selbst mal nicht gut geht, dann kann ich mich nicht halten lassen. Dann schaffe ich den 100m Lauf in unter 4 Sekunden. Und bin weg, mache es mit mir alleine aus.

Ach Engel, ach ach, manchmal bin ich irgendwie durcheinander.
Heute zum Beispiel.

Danke, dass ich das mit dir teilen darf.

Weiß du, dass ich dich liebe? Auch gerade dafür, meine dunklen Tage mit dir teilen zu dürfen? Ich fühle mich von dir gehört. Verstanden. Und irgendwie gesehen. Und mehr will ich doch garnicht.

Ich umarme dich zärtlich,

Georg <3