Es ist irgendwie fast eine Ehre, wenn dieser (oder mein anderer) Blog von der Redaktion der Barbara Karlich Show gefunden wird.

Dachte ich!

Man sei begeistert von meinen Nicht-Gedichten, vor allem von den letzten und wolle fragen, ob ich mir vorstellen könne, an einer Sendung teilzunehmen. Es sollte um das Thema gehen: Ich wurde betrogen – und bin heute dankbar dafür. Hm, betrogen wurde ich nicht, zumindest weiss ich nix davon. Aber gut, im Schreiben war der Wortlaut noch nicht sicher und es stand geschrieben, ich möge mich melden, auch wenn es so ähnliche Themen bei mir wären.

Ich rief zurück. Und kurz nachdem geklärt war, warum ich anrief, war das Telefonat beendet:

„Ich höre, sie sind aus Deutschland, dann müssen wir das jetzt abbrechen…“
„Ja, ich komme aus Hamburg und lebe in Graz, bin Doppelstaatsbürger, also auch Österreicher.“
„Oh wie interessant, aber die Chefredakteurin möchte keine Deutschen in der Sendung haben und ausserdem haben wir schon einen Quoten-Deutschen in dieser Sendung!“

Wie bidde? Deutsche dürfen den Sender bezahlen, sind aber ansonsten unerwünscht. Und Quoten-Deutsche hamma auch? Cool! Ich lese dann bei der Chefredakteurin Astrid Rudle direkt (hier zu finden), dass die Barbara Karlich Show „..den ÖsterreicherInnen eine Stimme geben“ wolle und „..Frau und Herr Österreicher ihre Meinungen, Erfahrungen, aber auch Ängste und Fragen formulieren können und gehört werden..“.

Ich bin begeistert. Ein sozialer Sender. Einer der von den hier lebenden Menschen finanziert wird, aber einen ganzen Teil ausschliessen will, weil man schon Quoten-Deutsche habe. Zum Glück habe ich keinen Fernseher und weiss auch noch warum. Jetzt wird es noch klarer!

Ein Einzelfall?

Eher nicht, nein:

  • Der liebe Freund, der ansonsten wirklich weltoffen und urlinks eingestellt ist, muss immer wieder den „Piefke“ bemühen, wenn er einen „bös-lustigen“ Spruch reissen will. Österreicher ist er.
  • Eine liebe enge Freundin die plötzlich sagt: „Zum Glück wissen meine Eltern nicht, dass du auch noch ein ‚Piefke‚ bist….!“. Eine Österreicherin.
  • Habe ich in einer Diskussion zufällig recht (passiert zum Glück nicht so oft), bin ich schneller Piefke als ich gucken kann… Bei Österreichern.
  • Zahlreiche weitere Beispiele….

Was bin ich denn jetzt?

Ich habe zwei Staatsbürgerschaften: Die österreichische und die deutsche Staatsbürgerschaft.
Bin ich jetzt Doppelstaatsbürger? Theoretisch schon.
Bin ich Europäer?

Europa wollen sie uns gerne einreden. Aber selbst ein staatsnaher Sender schafft es nicht, europäisch zu denken.

  • Haben hier lebende Doppelstaatsbürger keine Meinung, keine Erfahrung und keine Ängste?
  • Sind wir eine GEMEINSCHAFT in diesem Land, oder Gruppierungen die über einander blöd reden?
  • Fühle ich derart anders, weil ich in Hamburg geboren wurde? Reichen 15 Jahre hier leben nicht um auch etwas sagen zu können?
  • Haben wir überhaupt irgendetwas begriffen oder gelernt, dass wir uns noch derart über Nationalitäten definieren müssen?
  • Wann erkennen wir einander als MENSCHEN?

Was bin ich denn nun?
Kommt darauf an, wen du fragst:

Für den Staat bin ich Doppelstaatsbürger, habe Wahlrecht und alle anderen Rechte auch, wie jeder andere Österreicher ebenso.
Für Frau und Herrn Österreicher bin ich nicht einmal Deutscher, nein ich bin PIEFKE. Weil nicht der Staat zählt (wer ist schon der Staat?), sondern ausschliesslich der Dialekt zählt!!

Ich lebe nicht umsonst in Graz, in Österreich. Ich liebe und ehre dieses Land genauso wie meine andere Heimat.

Was der ORF so treibt, halte ich für deplatziert und falsch. Und das obwohl ich weder ins Fernsehen will, noch ich fernsehen will. Aber wer einen Bildungsauftrag hat, sollte so nicht agieren.

Was mir im Umfeld so passiert macht mich traurig. Ich will nicht als Nationalität gesehen werden, sondern als Mensch.
Wann endlich packen wir Menschen das endlich?

Das musste mal raus.

P.S.: Und ja, auf ach so witzige und ach so kluge Kommentare wie „Geh, Schurli, net immer alles so ernst nehmen, hamaa dich jo eh lieb, obwohl du nur a Piefke bist….!“ kann und will ich gerne verzichten. Vielleicht auch mit dem Hinweis darauf, dass Worte und Sprache mächtiger sind, als man so glauben mag… (Worte sind Dinge. Wer sagte das nochmal?)