Wär das Leben nur ein einziger Tag,
so wären wir mutiger als jede Heldentat.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
so bräuchten wir nichts zu suchen,
sondern nur zu entdecken.

Selbst das Kleinste dieser Welt, würde all unsere Aufmerksamkeit wecken.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
So würden wir staunend verweilen,
berührt von der Schönheit und uns nicht beeilen.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
würde niemand Ängste streu`n oder etwas bereu`n,
sondern sich schlicht am Leben selbst erfreuen.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
wir würden mutig wagen, all die Liebe die wir haben,
anderen zuzutragen.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
wir würden für die Welt am nächsten Tag,
all das erschaffen, was sie zuvor für uns Gutes tat.

Wär das Leben nur ein einziger Tag,
würden wir keinen Gedanken an das Ende verschwenden,
sondern jeden Augenblick als den Besten unseres Leben benennen.

Wär das Leben nur ein zweiter Tag,
würden wir den Ersten streichen und als unwahr titulieren,
denn so viel Schönheit darf nicht unser Herz berühr`n.

Wär das Leben nur ein zweiter Tag,
so wären wir Suchende auf der Jagd, um das Nichts zu finden,
das sich uns als tote Beute offenbart.

Wär das Leben nur ein zweiter Tag,
wir würden streben nach dem großen Glück,
es niemals finden, weil alles in uns selber steckt.

Wär das Leben nur ein zweiter Tag,
wir würden glauben wir seien Mächtige an der Macht
und könnten herrschen wo kein Sinn darin erbracht.

Wär das Leben nur ein zweiter Tag,
könnten unsere grauen Seelen längst nicht mehr versteh`n,
was wir mit unseren Augen seh´n.

Und wär das Leben nur ein weiterer Tag,
hätten wir den Ersten längst vergessen,
denn es wäre der Zweite von dem wir so besessen.

Doch würden wir uns nur für einen Moment besinnen,
könnten wir versteh`n, dass ein einziger, unscheinbarer Tag,
mehr als ein ganzes Leben zu sein vermag.

 


Bild: Stefanie Zirker
Text: Stefanie Zirker