Du sagst, Du seist irritiert.

Achso, frage ich?

Ja, erzählst Du, Ihr kennt Euch noch nicht
lange. Neulich erst habt Ihr Euch
zufällig wieder getroffen.

Ihr kennt Euch seit Kurzem erst.
Aber Ihr seid Euch so nah, dass Ihr
Euch manchmal sorgt, verwandt zu sein.

Lachen könnt Ihr soviel,
miteinander, übereinander, voneinander.
Reden könnt Ihr auch soviel,
weil Ihr so oft so ähnlich denkt.

Erste Zärtlichkeiten begleiten Euch,
im Chat. In dem was Ihr Euch schreibt,
und genauso, wenn ihr miteinander seid.

Zaghaft, sagst Du, habt Ihr Euch sogar
schon geküsst. Einfach so, einfach frei.
Pures Sein.

Ihr teilt Momente, sagst Du, seid
miteinander, auch wenn Ihr Eurer
Wege geht und tut was Ihr so macht.

Wer weiss, fragst Du, ist da schon
Liebe im Spiel, so eine Spur davon,
verliebt sein, ein kleines bisschen.

Und während das (noch) Unaussprechliche
vielleicht schon gegenwärtig wird,
stellst Du fest, wie frei Ihr seid:

Es gibt kein Wollen und kein Sollen in
Euren Begegnungen. Es gibt kein Morgen,
weil nur das Heute wichtig ist.

Und das ist auch, was Dich so irritiert:
Gelöst kannst Du im JETZT geniessen,
frei von Gedanken an morgen.

Gelöst kannst Du einfach SEIN, ohne
zu wollen, ohne zu planen, ohne zu
taktieren. Ihr begegnet Euch völlig frei.

Wer weiß, was geschieht, fragst Du.
Es ist nicht wichtig, alles was zählt ist
JETZT, sagst Du.

Lass Dich nicht irritieren, von Dir
selbst, lieber Freund.
Vielleicht ist das was Du erlebst-

– Deine Entwicklung?
– Freiheit?

Vielleicht ist das was Ihr da erlebt eine
großartige Chance, zu echter Begegnung?
Der Weg zu wahrhaftiger und freier Liebe?

——-

Was er mir da erzählt, berührt mich. Da steckt so viel drinnen, finde ich. Wie oft höre ich von Planungen für das Morgen. So oft ist die Rede von der Zukunft, was alles sein wird und kommen könnte. Plötzlich wird die Welt eng, weil nur noch sein soll, was man plant und will. Was geschieht? Man versaut sich die Gegenwart, das JETZT.

Natürlich, es ist schon so: Unser Heute ist morgen schon unser Gestern. Der Moment, die GEGENWART also, sollte schön sein, damit die Erinnerung ab morgen auch schön ist. Aber wozu die Planung. WEISST Du, das es ein Morgen gibt? Vielleicht ist sie morgen schon weg, vielleicht wachst Du morgen auf und bist tot, oder die Russen marschieren ein, oder oder….

Die Liebe will nicht, sie plant nicht, sie berechnet nicht.
Das wissen wir alle. Und, Hand aufs Herz- halten wir uns auch daran? Leben wir so? Na also….

Und dann kommt er her, lebt fast so frei und – ist irritiert.
Ja, so ist es mal leicht mit all diesen Dingen, die wir zu wissen glauben. Wir leben sie oft nicht.
Und wenn wir sie dann mal versehentlich leben, glauben wir uns selbst nicht….

Ja Christine, ich höre Dich lachen: „Herrlich, es menschalat…. ;-)”

Yep, es menschelt. Willkommen!