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Wir alle wollen lieben.
Und noch ehrlicher: Wir alle wollen geliebt werden.

Wer alleine lebt, hat verschissen.
Wer alleine lebt, hört Fragen, die er/sie sich selbst auch stellt.
Und keine Antworten findet, warum alleine, andere haben doch auch.

OK sein

Manche glauben, erfolgreiche Partnerschaft müsse man planen und vorbereiten wie einen Big Deal. Weil man ja nicht in Ordnung ist, wie man ist, sonst hätte man ja.
Manche glauben, es sei eine Frage des Schicksals. Da können man nichts tun und Partner sind wie gebratene Tauben. Weil man ja ohnehin perfekt so ist, wie man ist.

Das große Baggern

Lernst du jemanden kennen und bist so ehrlich, von deiner Zuneigung zu sprechen, kann es enorm lustig werden:

  • Selbsternannte Ego-GöttInnen erklären dir dann schwurbelnd, dass du nicht sie oder ihn meinst, sondern ohnehin nur dich selbst. Sie seien dein Spiegel und deine Liebe könne nur dir selbst gelten.
  • Manche lassen sich ein und machen es dann zu deinem Job (!), sie zu lieben! Aus Wollen wird dann Müssen. So schnell kann es gehen.
  • Dann gibt es die mit dem Check-Up: Passt dein Einkommen? Dein Job? Dein Auto? Dein Carport? Wer du selbst bist, ist nicht so wichtig.
  • Oh, und nicht zu vergessen: Jene, mit denen Beischlaf nur nach notarieller Bestätigung möglich ist, wie in einem der nordischen Länder angedacht (siehe auch und klicke: Ich werde nur noch beim Notar vögeln).

Und derlei Beispiele gibt es reichlich, bei weitem nicht nur in meinem Leben.

Die Alternative – der Gedanke der mich frei macht

Wozu, frage ich mich, sollte ich mich diesen Kämpfen aussetzen? Wie sagt Klaus Hoffmann in seinem gleichnamigen Lied: „Ick wäre echt für jeden Scheiß bereit – Für det bißchen Zärtlichkeit.“

Und darum geht es: Warum sollte man für ein bisschen Zärtlichkeit seine eigene gesunde Lebenswelt aufgeben?

Lass es mich erzählen, welcher Gedanke mich vollkommen frei macht:
Es ist Jahre her. Ich war verliebt ohne Ende und wir hatten magisch bezaubernde Momente. Unvergesslich. Doch es war tatsächlich schneller zu Ende, als es begonnen hatte. Ich litt und es tat fies weh.

Mein damaliger Lehr-Therapeut Christian hörte sich mein Leiden einfühlsam an. Und sagte dann den Satz, für den ich ihn damals am Liebsten umgebracht hätte und der mich heute trägt und unendlich frei macht:

“Lieben kannst du sie auch so – dafür musst du sie nicht ‚haben‘!“

Puuuuuuh. Damals wollte ich sie aber ‚haben‘, mit ihr sein, zärtlich sein, singen, lachen, kuscheln. Bis ich erkannte: Es geht nicht. Weil Sie gerade nicht kann. Was ich bis heute gut verstehe. Sie konnte nicht. Und ich stand da mit all meiner Liebe und fragt mich, warum ich sie nicht lieben darf. Unbewusst gemeint habe ich: Warum ich sie nicht ‚haben‘ darf.

Also war ich plötzlich viel freier: Denn lieben durfte ich sie ja sehr wohl. Sie ist doch trotz ihres Neins immer noch ein wundervoller Mensch.

Partnerschaft – ohne mich?

Ja, ohne mich!
Klingt womöglich hart, klingt womöglich endgültig frustriert. (Ist tatsächlich dann dein Gedanke, wenn du ihn denkst. Meiner ist es nicht.)

Warum ich den Satz meines Lehr-Therapeuten so geil finde, ist u.a. deshalb, weil es eben auch ums ‚haben‘ geht. Dabei will ich generell niemanden ‚haben‘. Ich habe eine Kaffee-Tasse – sie gehört mir. Ich habe ein Bett – es gehört mir.

Wenn ich eine Freundin habe – gehört sie mir dann auch? NEIN!

Und nein, ich rede hier nicht zu extrem daher. Es geht ums HABEN. Und das halte ich für riskant. Eine Freundin zu haben, oder einen Freund, wirkt leicht wie: Ich besitze dich. Du gehörst mir.

Hände weg – das ist MEINE Freundin. Wie auch immer sie sich entscheidet, ich habe entschieden, dass sie MIR gehört.

Nehmen wir also an, dass das was ich weiter oben beschrieben habe bei den Reaktionen auf die Liebe, immer auch im Kern etwas Wahres beinhaltet. Ich liebe also mich und nicht dich. Klar, du kannst bei anderen nur sehen, was du selbst in dir trägst.

PLUS

Ich muss dich nicht ‚haben’, um dich lieben zu können.

PLUS

Ich bin nicht bereit, irgendwelche Status-Forderungen zu erfüllen.

IST GLEICH

Ich kann frei lieben, wen ich will. Weder stelle ich Forderungen, noch Ansprüche.

Wozu also noch Partnerschaft, wenn Liebe immer möglich ist?
Wozu noch all diese Kämpfe, wenn meine Liebe in jedem Fall ‚reicht‘ oder ‚genug‘ ist, weil ich ja damit nichts erreichen will, ausser das Gefühl zu genießen?

Dann muss ich auch auf niemanden sauer sein, weil aus ‚uns‘ nichts wurde, dann kann es auch keine Kränkungen geben, weil ich nicht abgewiesen werden ‚muss‘, da ich ja niemanden angrabe.

Conclusio

Würden wir alle auf diese Weise liebend leben, dann käme niemand zu kurz:

Wir alle wollen lieben. –> Ist dann erfüllt!

Und noch ehrlicher: Wir alle wollen geliebt werden. –> Ist dann erfüllt!

 

Und wenn wir dann alle ohne Forderungen durch die Welt sausen, lieben bis zum Anschlag, dann brauchen wir auch nicht mehr zu diskutieren, ob polyamor zu leben dem Menschen näher ist als die gute alte Monogamie.

Vor allem entstehen dann aus meiner Sicht weit mehr wirklich freie Partnerschaften, deren Basis wirkliche und vollkommen freie Herzens-Liebe ist.

Und ja, wenn das kommt, und es wird kommen, dann bin ich wieder dabei. Bist dahin – habe ich mich. Und unzählige, die ich liebe.

Einfach so.